Fotos: (c) Annunziata Schmidt-Chiari Das Programm „gaga“ von und mit den Gebrüdern Moped feierte am 11. September 2008 im Kabarett Niedermair eine gelungene Premiere. Klein&Kunst-Redaktrice Margot Fink war dabei.
Ein Mann hetzt in einem Schwarz-Weiß-Film im Pyjama durch die Stadt, ist im Cabrio, im Stiegenhaus, in der Badewanne zu sehen, dieser Mann tritt anschließend mit nassen Haaren und abgetragenem, zerschlissenen Bademantel am Handy telefonierend auf die Bühne. Das Wort „Tschüssikovsky“ fällt, da stellt es einem schon einmal die Nackenhaare auf.
Ein Mann am Tisch, Laptop vor sich, rauchend, Ottakringer aus der Dose, kommentiert die Aussagen des Bademantelträgers, mischt sich ein, stellt richtig. Bald ist klar, es sind Brüder, die gegensätzlicher nicht sein könnten: idealistisch und links der eine, aufs schnelle Geld aus und naiv und überfordert der andere. Jetzt wohnt der eine im schäbigen Bademantel wieder beim anderen. Kein Job, kein Geld, Schulden.
Es geht um das Direktvertriebssystem GAGA, die „Great Austrian Gainers Association“, um diesen Nabel der Welt. Es geht um die Möglichkeit stinkreich zu werden, so wie der Runser Peter, mit dem Verkauf von Putzmitteln, also Ramsch vom 1€-Shop upgegradet. Wieder so ein Wort, das Erinnerungen hervorruft, etwa an upgegradete Flugtickets und die Marke KHG, – beabsichtigt oder nicht - diese Assoziation schleicht sich einfach ins Zuschauerhirn. Wir hören: „Bist bei GAGA, werden alle deine Wünsche erfüllt“, wir lesen: „Geht’s der GAGA-Familie gut, geht’s uns allen gut.“ Ja dann, nichts wie auf zur Karriere, aber zu welcher?
Die Brüder Franz Joseph und Martin sitzen am Tisch in trauter Eintracht, erinnern sich an ihre gemeinsame Jugend, an ihre verflossenen Lieben, sie erinnern sich an die Eltern, daran wer sie waren: der eine ein Streber, der andere ein Revoluzzer und Hinterfrager, der eine ein Ja-Sager, das Wort nein ein Fremdwort für ihn, der andere ein Nein-Sager. Ja-Sager wählen ... Rot, Nein-Sager wählen ... Grün. Anspielungen haben hier reichlich Platz, wie etwa der in den letzten Wochen oft gebrauchte und abgenutzte Satz „Es reicht“, der nun auch noch auf Wahlplakaten zu lesen ist. Wo die Gebrüder Moped recht haben, haben sie recht. Die vielen Lacher im Publikum lassen auch auf viele Nein-Sager tippen. Apropos Publikum: Gesichter aus dem Publikum spielen sämtliche Nebenrollen. (Fotografie und visuelle Umsetzung onstage: Jörg Kammerhofer)
Alles GAGA. Szenarien werden durchgedacht, wie es wäre, wenn alle Leute nur mehr bei GAGA einkaufen, nämlich Drohtwaschl, Klobesn oder Porsche, oder bei GAGA arbeiten. Existenzielle Fragen stehen im Raum: Wo kommen wir her? Wo gehen wir hin? Und – vor allem – wie putzen wir den Dreck weg, den wir in der Zwischenzeit gemacht haben? Eventuell mit GAGA-Putzmitteln?! Eines ist ganz klar: GAGA ist so erfolgreich, dagegen „ist der Mc Donald’s ein Greißler-Laden“.
Die Gebrüder Moped spielen Kabarett aus Wien und Überzeugung, das verspricht schon das Plakat. Das Publikum bekommt ein spannendes Kabarett-Theaterstück (Regie: Susanne Stanzl) präsentiert, in dem nicht nur die Pointen fliegen, sondern Kritik auch auf sehr intelligente und subtile Art geübt wird. Die Figuren sind sehr gut gezeichnet und von beiden glaubhaft verkörpert. Und das beste von allem: man rätselt in der Pause, wie es weitergehen wird, ob eine weitere Figur auftauchen und wie sich die Geschichte auflösen wird. Und was passiert dann tatsächlich? Überraschende Wendungen. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten. Das neue Soloprogramm ist auf alle Fälle sehenswert. Unbedingt empfehlenswert. Gehen Sie hin und lassen Sie sich in eine wundersame GAGA-Welt entführen.
Margot Fink für Klein&Kunst Onlein.
Links:
http://gebruedermoped.twoday.net/
www.niedermair.at
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