Am 4. September 2008 fiel der Startschuss zur neuen „Langen Nacht des Kabaretts“ in der Besetzung Pepi Hopf, Gebrüder Moped, Clemens Maria Schreiner und Gerhard Gradinger. Die erste Kabarettpremiere des Herbstes für Klein&Kunst-Redaktrice Margot Fink. Besser hätte sie es nicht erwischen können. Endlich geht’s weiter mit der Langen Nacht des Kabaretts. Im Jahr 1997 ins Leben gerufen und erstmals in der Besetzung Lainer & Linhart, Mike Supancic, Christian Hölbling, Bolzano & Maleh unterwegs, in einem anderen Jahren mit Mike Supancic, Irene S., O. Lendl, Ludwig Müller – alles Namen, die mittlerweile von den Kabarettbühnen nicht mehr wegzudenken sind -, erspielten sich 2004 die Kabarettisten Klaus Eckel, Pepi Hopf, Martin Kosch und Thomas Stipsits mit der „Langen Nacht“ den österreichischen Kabarettförderungspreis. Dieses Jahr stechen also die „Matrosen“ Gradinger, Schreiner und die Gebrüder Moped samt ihrem „Kapitän“ Pepi Hopf in See. Das Konzept der Lange Nacht, einige Kabarettisten zusammen zu mischen, die teilweise gemeinsam Programm machen oder Ausschnitte und Höhepunkte aus ihren Soloprogrammen präsentieren, funktionierte von Anbeginn sehr gut. Wo sonst bekommt man von mehreren Kabarettisten Auszüge aus ihren aktuellen Programmen präsentiert, die neugierig auf das gesamte Programm machen, wo sonst erlebt man einige Kabarettisten gemeinsam musizierend auf der Bühne, wo sonst kann man die Kabarettisten so lange auf der Bühne halten wie man als Publikum will. Apropos Publikum: Schon vor Beginn der Veranstaltung gab es etwas Neues. Für die spätere Vorstellung wurde man von den Gebrüdern Moped fotografiert. Apropos Publikum (das muss an dieser Stelle einfach gesagt werden): die Penetranze mit dem gellenden Lacher und den unangebrachten Kommentaren in der dritten Reihe (O-Ton Hopf: “Die Goldkette passt zum Lacher“) hat bei mir einen Hörschaden im linken Ohr verursacht und störte ein wenig den Genuss des Abends (für den Großteil des Premierenpublikums). Naturtrüb ist hierfür nicht das richtige Wort, aber das erste, das mir dazu einfällt. Und nun zur Premiere: Die fünf in ihrer Performance, der Auswahl der Themen und auch im Alter sehr unterschiedlichen Kabarettisten boten einen abwechslungsreichen, kurzweiligen Abend. Pepi Hopf, zurzeit mit seinem beeindruckenden und sehr empfehlenswerten Solo „Schleudern“ auf den heimischen Kabarettbühnen zu sehen, erzählte ein wenig über sich und seinen beruflichen Werdegang. Die Frage „Warum bist du Kabarettist geworden?“ war berechtigt und interessant war auch die klare Antwort von Pepi Hopf: Weil er reden kann, was er will, alle hören zu und keiner darf antworten. Er zeigte wieder einmal sein schauspielerisches Talent und seine unglaubliche Bühnenpräsenz, ließ sich von den Kommentaren der oben genannten Penetranze nicht aus der Ruhe und Spielfreude bringen und gab Tipps, wie man etwa die Sternsinger oder die Zeugen Jehovas los wird. Besonders sein Auftritt in der zweiten Hälfte war beeindruckend. Der Lacher blieb irgendwann im Halse stecken. Unschlagbar ist nicht das richtige Wort, aber das erste, das mir dazu einfällt. Ganz anders der Auftritt von Gerhard Gradinger. Er lieferte Impressionen vom Landleben, dazu gehörend das erste Auto, die Lässigkeit der Dorfjugend, die erste Beziehung. Er wirkte wie ein alter Hase auf der Bühne und entwickelte ein gutes Gespür für Alltagsbeobachtungen und Geschichten, (erinnerte dabei ein wenig an Roland Düringer), und ließ das Publikum an seinem Vorbild teilhaben: KIT, das Wunderauto aus der 1980er Jahre-Kultserie Knight Rider mit dem unerträglichen Baywatch-Hünen David Hasselhoff in der Hauptrolle. Sehr unterhaltsam ist nicht das richtige Wort, doch das erste, das mir dazu einfällt. Der jüngste in der Runde, Clemens Maria Schreiner, Gewinner des Grazer Kleinkunstvogels 2005 präsentierte sich und seine Erfolge in jungen Jahren auf humorvolle und selbstironische Art, was ihm sicherlich die Sympathien des Publikums bescherte. Leider streute er in seinen Auftritten auch einen eher an Schulschikurskabarett erinnernden Dialog zwischen einem Einheimischen und einem englischsprachigen Touristen auf der Suche nach dem Hauptbahnhof ein. Die einzige Schwachstelle, die er aber wieder vergessen ließ durch witzige gereimte Geschichten und einem Generica-Rap. Äußerst talentiert ist nicht das richtige Wort, aber das erste, das mir dazu einfällt. Ja, da waren auch noch die Gebrüder Moped. Demnächst feiern sie Premiere mit ihrem Stück Gaga („Great Austrian Gainers Association“) Man darf gespannt sein. Bei ihrem Auftritt im Rahmen der Langen Nacht zeigten sie sich innovativ. Die auf eine Leinwand projizierte Aktenzeichen XY ungelöst-Einspielung verursachte einen Erinnerungssprung in die 1970er, 1980er Jahre. Die Gebrüder Moped suchten in ihrer Version von Aktenzeichen XY nach einer verschwundenen Kirche (ja, tatsächlich die ganze Kirche), zeigten die Verdächtigen und auch die zum Tatzeitpunkt in der Kirche befindlichen Menschen. An dieser Stelle klärte sich auch die Fotografiererei vor der Vorstellung. Sozialkritisches kam genauso vor wie Sprachkünstlerisches. Was die Menschen schon immer wissen wollten, nämlich was passiert, wenn sich die USA auflösen, wurde von ihnen auch beantwortet. Außerdem fanden sie eine Alternative zum Erlangen eines Rauschzustandes ohne den Konsum von Literweise Alkohol. Ungewöhnlich ist nicht das richtige Wort, aber das erste, das mir dazu einfällt. Die Lange Nacht des Kabaretts war am Ende dann doch überraschenderweise vor Mitternacht zu Ende. Eine gelungene Premiere, sichtliche Spielfreude bei allen fünf Kabarettisten, ein wunderbarer Abend, der durch diesen bunten Mix sehr abwechslungsreich gestaltet war. Da agierten fünf auf der Bühne, die sich offensichtlich gut verstehen. Genial ist nicht das richtige Wort, aber das erste, das mir dazu einfällt und sehr empfehlenswert ist genau das richtige Wort, das mir dazu einfällt. Margot Fink für Klein&Kunst Onlein.
Links:
www.pepihopf.at
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www.gerhard-gradinger.at
www.gebruedermoped.com
www.niedermair.at
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